Beziehungslernen erscheint mittlerweile als ein fester Begriff und in den letzten Wochen ist er immer präsenter und greifbarer geworden. Beispielsweise in dem unglaublich spannenden Vortrag von Nina Bremm zur Fachtagung der DKJS zu Schulen in herausfordernder Lage, in dem nochmal ganz deutlich wurde, welchen Einfluss gelingende Beziehungen auf die Gesundheit aller Beteiligten haben. Sei es das virtuelle Lernatelier von Intushochdrei oder einfach nur der Hastag: Beziehungslernen ist nicht mehr wegzudenken. Nun stellt sich für die Praxis gleich viele Fragen: Wie kann ich im Rahmen des Regelschulsystems aktiv Beziehungslernen gestalten? Mit welchen Methoden und Gestaltungsmöglichkeiten kann ich im oft stressigen Schulalltag wirklich in Beziehung zu treten? Für mich ist die gewaltfreie Kommunikation dafür ein sehr praktisches Tool, denn sie liefert Haltung und konkrete Formulierungshilfe in einem. In der Podcastfolge #084 des Podcasts zur Zirkus- und Theaterpädagogik von und mit Mark Kitzig erläutere ich das Ganze etwas genauer.

In den letzten Tagen habe ich mich mit Vertreter:innen fast aller Beteiligten des Schulsystems ausgetauscht: Eltern, Lehrpersonen, Lernende, Schulleitungen. Dabei spielt es keine Rolle, mit wem ich gesprochen habe: Sie scheinen fast alle am absoluten Limit. Es eint sie ein Gefühl der Ohnmacht, Überforderung, Frust, Druck und Stress. Alle zerreißen sich und können doch niemals den Erwartungen gerecht werden. Schon beim Schreiben machen sich in mir Druck und Anspannung breit. Gleichzeitig werden auf den sozialen Netzwerken und Tageszeitungen Brandbriefe, Mahnungen, Analysen und Statistiken zum Thema Homeschooling, Distanzlernen und Digitalisierung in Schule geteilt. Mitunter scheint es ein PingPong-Spiel an Vorwürfen zu sein: Vorwurf an DIE SCHULE- Vorwurf an Politiker:innen- Vorwurf an DIE LEHRER- Vorwurf an DIE DA OBEN- Vorwurf an die Eltern- – Vorwurf an DIE JUGEND- Matchball- Vorwurf an Lernende- Vorwurf an DIE GESELLSCHAFT- Vorwurf an die Politiker:innen∞. Schon beim Schreiben machen sich in mir Druck und Anspannung breit. Ich…

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Im Anschluss an eine Hospitation wird eine Unterrichtsstunde gemeinsam mit der zukünftigen Lehrkraft in Bezug auf unterschiedliche Faktoren ausgewertet. Grundlage sollte dabei immer der wertschätzende Blick auf einen individuellen Entwicklungsprozess und die höchst unterschiedlichen Rahmenbedingungen sein (Verhältnis zur fachbegleitenden Lehrkraft, Einsatz an der Ausbildungsschule, private Umstände, Ausbildungskontext, Verhältnis zum Fachleiter/der Fachleiterin etc.). Auch wenn ich diese Gespräche nun nicht mehr führe, so höre ich mich doch noch so oft nach der ersten Stunde sagen: „Versuchen Sie, Ihre Rückmeldungen mehr zu variieren, auch mal durch Gestik und Mimik!“ Also versuchten die Referendar:innen dann in der Folgestunde variantenreicher zu loben : „ Très bien! Super! Correct! Voilà! C’est ҁa!“ und nickten und lächelten verhalten oder auch mal deutlicher. Während ich das hier aufschreibe, wird mir nochmal viel bewusster, wie absurd das eigentlich war. Ich würde heute diese Empfehlung nicht mehr so aussprechen, schon allein, weil wir als Berufseinsteiger:innen so viele Erwartungen erfüllen…

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Pünktlich zum Jahreswechsel rückt nicht nur das Halbjahreszeugnis in den Blick der Lehrkräfte, sondern -zumindest in Thüringen- auch das anstehende Lernentwicklungsgespräch (LEG) eines jeden Lernenden bis einschließlich Klasse 9. An diesem Gespräch nehmen neben dem Lernenden mindestens eine sorgeberechtigte Person sowie in der Regel der Klassenlehrende teil. Ziel ist der Austausch über den Lernstand des Kindes auf der Grundlage einer Selbsteinschätzung sowie der gebündelten Fremdeinschätzung durch die Lehrkraft. Es wird mindestens eine Zielstellung formuliert, die dann wiederum zum Schuljahresende oder spätestens zum nächsten LEG evaluiert wird. Nun kann man zunächst einmal wertschätzend bemerken, dass es doch mehr als fortschrittlich ist, dass es neben dem Ziffernzeugnis in der Regelschule[1] sogar ein gesetzlich verankertes individuelles Beratungsgespräch gibt, in dem die Selbstkompetenz der Lernenden in mehrfacher Hinsicht gefördert wird und der Lernprozess so langfristig und nachhaltig in den Blick genommen wird. Oder man macht ein kleines Unterhaltungsexperiment und erwähnt das Wort LEG bei…

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Es ist der letzte Schultag und während die Schüler*innen mit ihren Zeugnismappen im Ranzen jubelnd durch die Schultür gen Ferien stürmen, treffen sich alle Lehrer*innen zur letzten Dienstberatung des Schuljahres. Mitunter herrscht eine heitere Stimmung, Erleichterung über das Geschaffte und teilweise auch große Erschöpfung und Traurigkeit über Kolleg*innen, Referendar*innen oder Praktikant*innen, die verabschiedet werden. Es gibt Blumen, Präsente und Lob. Das zurückliegende Schuljahr wird nochmal querbeet durch die Fachschaften beleuchtet. Welche Plätze haben Schüler*innen beim städtischen Basketball- oder Fußballturnier belegt? Welche Fremdsprachenwettbewerbe wurden erfolgreich bewältigt? Vielleicht gab es sogar einen Geschichtswettbewerb oder ein anderes medienwirksames Projekt, das nochmal hervorgehoben werden soll? Welche Chorauftritte und Theateraufführungen bleiben im Gedächtnis? Den vielen beteiligten Kolleg*innen, die sich über ihr normales Stundendeputat hinaus mit Aufwand, Zeit, und Organisationen engagiert haben, wird Dank ausgesprochen. Je nach Schulleitung und Redner*in kann das Lob eher spartanisch ausfallen („Nicht kritisiert ist genug gelobt“) oder etwas ausführlicher. Dann gibt…

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Zu Beginn der letzten Sommerferien, an die sich eigentlich eine Elternzeit anschließen sollte, werde ich auf eine Ausschreibung aufmerksam: Programmmitarbeit für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung im Projekt „Erfolg macht Schule“, in dem Einzelschulen in vielfältiger Form in ihrem Schulentwicklungsprozess begleitet werden. Meine Vision, in einer Organisation mit Schulbezug tätig zu sein und gleichzeitig selbstständig Workshops und Coaching anzubieten, wird auf einmal ganz konkret. Ich bewerbe mich. Es ist die erste Bewerbung seit Jahren und ich lese erstmal nach, wie mittlerweile Lebensläufe und Anschreiben verfasst werden. Zu den letzten 9 Jahren kann ich kein Arbeitszeugnis vorlegen, höchstens den Beurteilungsbogen aus meiner letzten Beurteilungsrunde 2014, in dem die Kreuze, zumindest in Thüringen, mehr oder weniger so gesetzt werden, wie sie den Schulleiter*innen  durch die Administration prozentual vorgegeben werden, aber das ist ein anderes Thema. Für Sie immer noch Du! Voller Vorfreude bereite ich mich auf das Gespräch vor, zu dem ich…

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Meine Tochter und mein Sohn streiten sich, es fließen Tränen. Wir sind alle 3 in der Küche. Während der eine mit der Spielkasse am Küchentisch vergnügt Einkaufen spielt, nimmt die andere plötzlich die Kasse weg. Mein Sohn wird wütend und traurig, kommt zu mir und erzählt von der weggenommenen Kasse, die es erst kürzlich zum Geburtstag gab. Meine Tochter bedauert, dass ihr Bruder sie geschenkt bekommen hat und recht häufig alleine damit spielen will. Sie wollte also auch mal Geld kassieren und ohne das befürchtete Nein einfach damit spielen. Die Situation kann aufgelöst werden, beide bestätigen den Ablauf, Tränen trocknen und die Kasse wird wieder zum Einkaufen benutzt. Ich habe mich auf der Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation der 4 Schritte bedient und den Streit begleitet. Zahlen, Daten, Fakten Als erster Schritt in der GFK gilt es eine Beobachtung mitzuteilen. Dabei wird oft der Vergleich mit einer Kamera oder einer Drohne…

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Schon vor Beginn des Referendariats erfolgt häufig ein ritueller Quasi-Abschied aus dem normalen Leben. Horrorgeschichten von Referendar*innen, die verlassen werden, sich nicht mehr mit Freund*innen treffen können, weil sie die Nacht am Schreibtisch verbringen, um überflüssige seitenlange Unterrichtsentwürfe zu verfassen und schließlich die Angst vor den Fachleiter*innen und  der Schülerschaft, die nur darauf wartet, die Grenzen der angehenden Lehrkraft täglich brutal zu testen. Ich habe das Referendariat vor 12 Jahren absolviert und … überlebt. Auch wenn die Einleitung in Teilen überspitzt formuliert ist ( 2-3 Stunden Schlaf waren auf jeden Fall drin!), so ist es eine besonders intensive Zeit gewesen, aus der viele meiner Kommiliton*innen verändert herausgegangen sind. Meine Freude am Lernen, am In Beziehung Treten mit Erwachsenen und Kindern als Lernende, hat mich dazu bewogen, 2013 am Studienseminar als Fachleiterin für das Fach Französisch anzufangen. Staatlich finanziertes Coaching? Fachleiter*innen haben neben der Gestaltung von pädagogischen und fachdidaktischen Seminaren die…

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Ich gehe sehr gern zum Abiball. Es bietet die Gelegenheit mit Kolleg*innen entspannt zu essen, anzustoßen, zu lachen und zu tanzen- wenn auch manchmal nur zu DJ Youtube. Meist ist es ein Abend, an dem sich unterhaltsam und fröhlich erinnert, den Lernenden das Du angeboten wird und Lehrende, Eltern und junge Erwachsene sich oft so ein letztes Mal begegnen. Diese Begegnungen sind mitunter von einer besonderen Nähe, Dankbarkeit und Wertschätzung geprägt und haben Gänsehautpotenzial. Es gibt auch bei mir jedes Mal den Moment, in dem ich traurig bin, weil der Abiball auch ein Abschied von der gemeinsamen Zeit ist. Dieser Wechsel von Leichtigkeit, Fröhlichkeit und Traurigkeit ist intensiv und ich bedaure, dass es dieses Jahr keinen solchen Abschluss geben konnte. Minutenzählen, Vokabeltests und Co. An einem dieser Abende kam Marie auf mich zu, die ich in Klasse 9 und 10 im Französischunterricht begleitete. Unsere Zusammenarbeit war zu Beginn von häufigen…

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Was kann ich tun, wenn ich mich am Arbeitsplatz nicht mehr wohlfühle und zuweilen frustriert bin, weil ich nicht selbstwirksam, autonom, authentisch und verbunden bin? Ich kann mich hinsetzen, mir Vor- und Nachteile meines Jobs überlegen und anschließend eine Entscheidung treffen. Wenn die Vorteile überwiegen, kann ich mir das bewusst machen, bleiben und Wege suchen, am aktuellen Arbeitsplatz etwas zu ändern. Wenn die Nachteile vorherrschen, kann ich kündigen und mir etwas Neues suchen. Ok, das ist jetzt keine Jahrhunderterkenntnis, ich weiß. Aber was mache ich, wenn ich nur einen Beruf gelernt habe und den seit 12 Jahren ausübe und es auf den ersten Blick keine Alternative gibt? Wenn ich in einem maximal sicheren Beamtenverhältnis mit entsprechender Bezahlung bin? Z.B. als Gymnasiallehrerin? Sobald ich nach dem Abwägen zu der Erkenntnis komme, dass ich mir einen neuen Job suchen will, fängt es meistens erst an, richtig problematisch zu werden. Da kommt das…

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