Das Klischee der Lehrperson als Einzelkämpfer:in hält sich wacker und wurde in einer 2018 veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Schulakademie bestätigt. Die Mehrheit der Lehrer:innen bereiteten ihren Unterricht eher allein vor als im Team, was vor allem den Rahmenbedingungen geschuldet sei. Fehlende gemeinsame Präsenzzeiten und Räume erschweren eine Kooperation enorm. Trotz einiger sehr erfolgreicher Teamteachingformate oder Jahrgangsteams an Einzelschulen ist es immer noch an den allermeisten Regelschulen Standard, dass eine Lehrperson Unterricht, Elternabende, Gespräche mit Lernenden oder Eltern allein vorbereitet, hält und auswertet. Dabei gibt es zwar viele Pädagog:innen, die sich mehr Kooperation wünschen, ihr aber auch aus verschiedenen Gründen kritisch gegenüber stehen. „Das hier ist Krieg, den Sie jeden Tag neu gewinnen müssen.“ Die Metapher „Einzelkämpfer:in“ impliziert ein Rollenbild, in dem es darum geht, ein Gefecht zu gewinnen und ich frage mich, gegen wen. Kämpft die Lehrperson gegen die Schüler:innen? Gegen deren Unwissen? Gegen deren Übermacht? Gegen das…

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Ich gebe zu, dass mir der Begriff des Adultismus erst vor einigen Monaten begegnet ist, obwohl ich mit der Form des veräußerlichten und verinnerlichten Adultismus mehr als vertraut bin (Das ist erschreckend nach über 12Jahren im Schuldienst und 6 Jahren Studium!). Für alle, für die der Begriff an dieser Stelle neu ist, möchte ich ihn kurz erläutern. Adultismus ist eine Diskriminierungsform, bei der es eine Machtungleichheit und eine Ungleichbehandlung zwischen Kindern und Erwachsenen gibt. Adultistische Verhaltensweisen, Denkmuster und Äußerungen lassen sich wohl am einfachsten daran erkennen, dass wir sie bei Erwachsenen niemals so tätigen würden. „Muss ich dir alles dreimal sagen?“ Nun halte ich beim Schreiben bereits inne und gehe den gestrigen Tag mit meinen Kindern durch. Welche Sätze habe ich verwendet, die genau genommen eigentlich schon adultistisch sind? Ich stelle immer wieder mit Erschrecken fest, wie tief die adultistische Haltung doch sitzt, so sehr ich mich damit auch auseinandersetze…

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Ich gehe sehr gern zum Abiball. Es bietet die Gelegenheit mit Kolleg*innen entspannt zu essen, anzustoßen, zu lachen und zu tanzen- wenn auch manchmal nur zu DJ Youtube. Meist ist es ein Abend, an dem sich unterhaltsam und fröhlich erinnert, den Lernenden das Du angeboten wird und Lehrende, Eltern und junge Erwachsene sich oft so ein letztes Mal begegnen. Diese Begegnungen sind mitunter von einer besonderen Nähe, Dankbarkeit und Wertschätzung geprägt und haben Gänsehautpotenzial. Es gibt auch bei mir jedes Mal den Moment, in dem ich traurig bin, weil der Abiball auch ein Abschied von der gemeinsamen Zeit ist. Dieser Wechsel von Leichtigkeit, Fröhlichkeit und Traurigkeit ist intensiv und ich bedaure, dass es dieses Jahr keinen solchen Abschluss geben konnte. Minutenzählen, Vokabeltests und Co. An einem dieser Abende kam Marie auf mich zu, die ich in Klasse 9 und 10 im Französischunterricht begleitete. Unsere Zusammenarbeit war zu Beginn von häufigen…

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